Rückblick auf 30 Jahre „Tonikum“

Wie fasst man 30 Jahre Vereinsgeschichte zusammen?

Der Anfang

Im September 1995 übernahm Ulrich Diehl, 25 Jahre, aus Bad Camberg, die Leitung des von Wolfgang Hering gegründeten Singkreises, der sich regelmäßig im Kulturcafé Groß- Gerau traf. Ca. 30 Männer und Frauen aller Altersklassen versuchten sich in der ersten Chorprobe an dem Madrigal „Come again“ und waren am Ende der Probe schon an der ersten Zeile gescheitert. Aber für alle Beteiligten war Aufgeben keine Option und so wurden die Proben mit dem leichteren „Good news“ fortgesetzt.

Was war neu und anders?

Es gab Stimmbildung und Rhythmusübungen und eine Einteilung in die Stimmen Sopran, Alt, Bass und Tenor- letzterer der Not gehorchend überwiegend mit Frauen besetzt, was sich bis heute nicht geändert hat. Und es gab

Chorworkshops

In den ersten Jahren fanden die in einem Begegnungshaus der evangelischen Kirche in Hasselbach statt. Das Essen und der Kuchen waren überragend, der Blick von der Damentoilette in den Taunus spektakulär. Die Schlafsäle hatten 20 Betten, zum Duschen musste man morgens Schlange stehen und der Chorleiter litt unter den abendlichen musikalischen Exzessen unter Zuhilfenahme der Mundorgel. Wir haben alle sehr bedauert, dass das Haus geschlossen wurde und viele andere Jugendherbergen ausprobiert bis wir in Maria Einsiedel ein neues „Lieblingsziel“ gefunden haben.

Wie aus dem Chorleiter der Chorleider wurde

Wir lieben unseren Chorleiter und wir lieben es, unseren Chorleiter zu überraschen - bevorzugt mit unseren Geschenken zum Geburtstag und zu Weihnachten. Die Weihnachtsgeschenke muss er sich regelmäßig verdienen. Da sind wir – sehr zu einem Leidwesen- sehr kreativ und immer für eine Überraschung gut. Er mag keine Rätsel und schon gar keine Spiele- und so musste er z.B. anhand von Babyfotos oder Porträts unserer Münder erraten, welche Chormitglieder er vor sich hatte. Wenn es gut lief, gab es auch schon mal schwarze Reizwäsche oder ein Brusthaartoupet, aber auch sinnvolle Geschenke wie ein Tischfußballspiel, Konzertkarten oder ein Kaffee- Abo… Aber auch besonders während der Proben bieten wir ihm mit unerwarteten Entschuldigungen und Begründungen für unsere Fehler immer wieder Momente, die ihn manchmal sprachlos machen und die er gern in seinem Blog „Der Chorleider“ teilt…

Wie wurde aus dem Kulturcaféchor der Chor Tonikum?

Ganz einfach: wegen häufiger Pächterwechsel im Kulturcafé- jahrelang „homebase“ für den Chor- mussten wir uns einen neuen Probenraum suchen und fanden ihn im Altenheim an der Fasanerie, wo wir den Festsaal als Probenraum nutzen dürfen. Selbstverständlich konnten wir unseren „alten“ Namen nicht mehr nutzen und haben Ideen für einen neuen Namen gesammelt. Der Vorschlag von Christina Hellmann fand die größte Zustimmung und so wurde Tonikum, Synonym für Anregung und Belebung, unser neuer Name. Mit dem Umzug und dem neuen Namen haben wir auch unseren Status verändert und den Verein „Tonikum e.V.“ gegründet, deren 1. Vorsitzende Angelika Schätzlein wurde. Bemerkenswert ist es, dass außer Lothar Weber ausschliesslich Frauen dieses Amt bekleiden bzw. bekleidet haben.

Wie ging es uns während Corona?

Wir hatten Glück und konnten während des Lockdowns in der Scheune des Bensheimerhofs zwischen Erfelden und Riedstadt singen, weil wir dort alle notwendigen gesetzlichen Vorgaben einhalten konnten. Auch wenn wir oft nicht in der vollen Besetzung am Start und die Verhältnisse besonders im Winter herausfordernd waren, hat uns diese außergewöhnliche Situation noch mehr zusammengeschweißt. Wir konnten nach Corona erfreulicherweise einige neue Sängerinnen und Sänger begrüßen, der ursprüngliche Chöre nicht mehr in der gleichen Form wie vor Corona existierten. Zurzeit singen wieder ca. 30 Frauen und Männer bei Tonikum, auch wenn wir ein paar Jahre zeitweise- und völlig unabhängig von äußeren Umständen- nur 12- 15 Chormitglieder waren.

Wir lieben Auftritte und besonders unsere eigenen Konzerte…

die wir lange und sorgfältig vorbereiten und die uns immer Spaß machen- auch weil wir uns über ein großes Stammpublikum freuen können. Wir haben auch ein paar Mal bei Wettbewerben mitgemacht, aber geben unserer eigenen Kreativität den Vorzug gegenüber den im Wettbewerb geforderten Pflichtstücken.

Singen wir nur englische Stücke?

Wir hören das oft, von Zuhörerinnen und Zuhörern- stimmt aber nicht! Wir singen auch ziemlich viele deutschsprachige Stücke. Wir haben u.a. Suaheli, Italienisch, Schwedisch und Französisch probiert und festgestellt, dass diese Sprachen nicht zu unseren Kernkompetenzen gehören. Wir können Stücke vorschlagen, die wir gern singen wollen- aber unser Chorleiter ist der Boss und prüft sie zunächst im Rahmen unserer Möglichkeiten auf Singbarkeit. Wenn wir über seine Auswahl per Doodle abgestimmt haben, entscheidet das Ergebnis und meist bekommen wir- und das ist echter Luxus- ein Arrangement maßgeschneidert von Uli für Tonikum.

Was wir uns wünschen

nicht viel- außer das es gern so weitergehen kann…

Andrea Weicker